2 x 10 Zoll/f5 Bino- Dobson
Ein Dobson für zwei Augen
Beim ITV 2000 habe ich bei einem der Teilnehmer erstmals an einem mittelgroßen Dobson- Teleskop durch einen Bino-Ansatz beobachten können, und dieses "Seh- Erlebnis" hat mich tief beeindruckt. Kein verkrampftes Zukneifen eines Auges mehr, sondern Konzentration auf das Wesentliche und entspanntes Beobachten mit beiden Augen.
So ein Fernrohr wollte ich auch haben !
Derart geläutert vom ITV zurückgekehrt habe ich mir einen Binokularansatz (den von BW-Optik) angeschafft und an den vorhandenen 4 Zoll/f10 Refraktor angeschlossen. Das Ergebnis war eher ernüchternd, nix mit DeepSky mangels Öffnung und die Körperhaltung beim Einblick in Blickrichtung war alles andere als bequem.
Aber: Helle Objekte waren eindeutig detaillierter wahrzunehmen.
Der Umstieg auf einen 10 Zoll GSO- Newton brachte dann ein deutlich helleres Bild und eine viel bequemere Körperhaltung beim Einblick. Das GSO wurde dazu mit einem Okularschlitten ausgerüstet.
Zwischenzeitlich hatte ich mich mit "Glasfieber" infiziert und einen 6 Zoll- Spiegel geschliffen. Nach Fertigstellung des zugehöhrigen Teleskops mußte etwas neues zum Schleifen her. Gern hätte ich einen 16 Zoll/f5 angefangen zu schleifen, habe dann aber auf den Rat Erfahrener gehört und "erstmal noch was Kleineres" in Angriff genommen; nämlich einen 10 Zoll/f5 Spiegel.
Mit diesem und dem Spiegel aus dem GSO- Dobson könnte ich dann ein "echtes" Bino bauen.
Das Konzept
Jeder, der schon einmal durch einen (schlechten) Feldstecher geschaut hat, kennt das Problem, die beiden Bilder zur Deckung zu bringen. Dazu ist es erforderlich:
- den Abstand der Okulare auf den individuellen Augenabstand einstellen zu können
- die optischen Achsen der beiden Fernrohre zueinander justieren zu können.
Ein Newton- Teleskop liefert nur dann gute Bilder , wenn die Justierung stimmt. Darum habe ich das Bino so aufgebaut, das es aus zwei kompletten Newton- Teleskopen besteht. Jedes dieser Teleskope wird erst einmal wie ein gewöhnliches Newtonteleskop justiert.
Außerdem sollte es möglich sein:
- den Abstand der Okulare dem individuellen Augenabstand entsprechend einzustellen ohne dabei die Justage der optischen Achsen sowie die Kollimation der Einzelteleskope zu verändern
- die optischen Achsen der Teleskope so zueinander zu justieren, dass man die Einzelbilder zur Deckung bringt ohne dabei den eingestellten Augenabstand zu verändern
- all diese Einstellungen vornehmen zu können, während man durch das Teleskop schaut.
Der Aufbau
Jeder Teleskoptubus ist eine herkömmliche Gitterrohrkonstruktion, bei der unterer und oberer Tubus fest miteinander verbunden sind.
Diese beiden Teleskop- Tuben sind jeweils in einer Bogenführung gelagert, die aus zwei Führungsschienen in Form von Kreisabschnitten besteht. Die Radien und die Lage dieser Kreisabschnitte sind so gewählt, dass der Okulareinblick auf der Geraden liegt, die durch die Mittelpunkte der Kreisabschnitte geht. Dadurch ist gewährleistet, dass der Okulareinblick beim Neigen der Achse stets am selben Ort bleibt.
Die Bogenführungen der beiden Teleskop- Tuben sind so angeordnet, dass die Achsen, um die geneigt wird, rechtwinklig zueinander stehen. Dadurch werden die optischen Achsen der beiden Einzelsysteme in zwei rechtwinklig aufeinander stehenden Ebenen geneigt, bis Achsparallelität erreicht wird.
Eine der beiden Bogenführungen ist in einem Gestell befestigt, das ein seitliches Verschieben einer Einheit "Tubus + Bogenführung" gegen die andere, feststehende Einheit ermöglicht. Darüber wird der Augenabstand eingestellt.
Die Konstruktion
Konstruiert habe ich das Bino auf CAD. Wenn beim 6- Zöller noch einige Skizzen ausreichend waren, mussten hier genaue Zahlen und Zeichnungen her. Der zusätzlich anfallende Arbeitsaufwand für die Konstruktion am Rechner wird durch die Möglichkeiten, genaue Berechnungen anzustellen und schon im Voraus eine Vorstellung von dem zu bekommen, was man da bauen will, allemal wettgemacht.
Das fertige Teleskop
Das fertige Teleskop nach nahezu einem Jahr Spiegelschleifen, Konstruieren und Bauen.
Die Konsole unterhalb der Okulare hat drei Drehknöpfe, an denen Augenabstand und Achsenjustierung eingestellt werden. An dem Rohrrahmen kann man das Bino feinfühlig nachführen.
Fokussiert wird jede Seite für sich.
Die Fokussierung über eine Gewindespindel hat sich nicht bewährt, da durch die einseitige Krafteinleitung der Okularschlitten geringfügig verkippt wurde.
Jetzt erfolgt die Fokussierung über Zahnstangen, die beiderseits neben den Führungen angeordnet sind. Die Zahnräder sitzen auf einer Welle, die über ein Getriebe (i = 1:10) angetrieben wird. Damit der Schlitten nicht selbstständig nach unten gleitet, wird er über eine Bremse mit Freilaufkupplung (das Teil mit der Feder) in Position gehalten.
Die Einstellung
Die Verstellmechanik für das Schwenken und die Zahnstange zum Verschieben (Einstellung Augenabstand) des linken Tubus.
Die Welle mit dem Zahnrad ist durchgehend, auf der Rückseite ist eine weitere Zahnstange angebracht. Dadurch lässt sich der Tubus gleichmäßig und leicht auf den Rohren verschieben. Oben sieht man den Bund einer Gleitlagerbuchse (Iglidur von IGUS). Die Buchsen sitzen in allen 8 Bohrungen und gleiten auf den Alu- Rohren von 30mm Durchmesser.
Die Verstellmechanik für das Schwenken des rechten Tubus.
Die Kegelräder sind vonConrad Elektronik. Der selbstgedrehte Messingeinsatz im großen Kegelrad hat ein M6 Gewinde. Der Gewindebolzen ist verdrehgesichert und verschiebt den Tubus bei Drehung des Zahnrades.
In der unteren Bildhälfte erkennt man die gebogene Führungsschiene in der Seitenwand des Gestells. Die Nut, in der die Schiene sitzt, ist mit der Oberfräse in das Seitenteil eingefräst worden, bevor das Gestell zusammengebaut wurde. Die Oberfräse wurde dabei an einer schwenkbar befestigten Holzlatte geführt und so als "Zirkel" benutzt. Das Profil ist ein Rechteckrohr und mit Stabilität-Express in die Nut eingeklebt. In der oberen Bildhälfte ist eine der beiden Führungsnuten des unteren Tubus zu sehen. Das untere Teil der Führung wird erst dann von der Innenseite des Tubus her befestigt, wenn es mittels der Andrückschrauben spielfrei eingestellt ist.
Der gesamte untere Tubus von der Rückseite aus gesehen.
Die Rahmen mit den Spiegelzellen können nach hinten ausgeklappt werden, um die Spiegel auszubauen.
Gewöhnungsbedürftig ist das Aufsuchen eines Objekts, wenn man mit dem Rücken dazu steht. Mit dem Telrad ist das kein Problem.
Transporthilfen wie bei Kriege/Berry beschrieben.
Funktionieren hervorragend und sind auch unbedingt erforderlich, da das Ganze doch deutlich unhandlicher ist als erwartet ( warum ist das eigentlich immer so ?)
First Light
Anfang Dezember 2002 kam dann die Stunde der Wahrheit.
Justiert wurde an einem hellen Stern. Zur Einstellung der Achsparallelität defokussiere ich ein Teleskop soweit, dass man die Sterne als verwaschene Scheibchen sieht. Den scharfgestellten Stern des anderen Teleskops kann man dann mittels der Verstellelemente ins Zentrum der verwaschenen Sternscheibe bringen. Versucht man dies, wenn beide Seiten fokussiert sind, spielt einem das Gehirn einen Streich: Es vereinigt die beiden Einzelbilder zu einem einzigen, bevor die Achsen wirklich parallel stehen.
Erstes "richtiges Objekt" war dann M42. Der Anblick war einfach toll ! Jede Menge Strukturen waren in den Gaswolken bei 100facher Vergrößerung wahrnehmbar, und das Ganze wirkte räumlich ! Danach folgte ein Schwenk zu Saturn, der majestätisch innerhalb seiner Ringe schwebte, außerdem waren 5 Monde zu sehen.
ITV 2003
Beim ITV 2003 hatten wir ausgiebig Gelegenheit das Bino zu benutzen und Okulare zu probieren. Eine Augenweide ist der Anblick von M13 mit 9mm Nagler- Okularen, der Anblick ist einfach umwerfend.
Minimaler Augenabstand 51mm: auch die Kleinsten können durchsehen.
Rüdiger Heins und einem anderen Dobson- Jünger scheint das Bino zu gefallen...
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