Equatorial- Plattform
Ein Dobson hat den Nachteil, das es ständig von Hand nachgeführt werden muß.
Dies ist insbesondere bei hohen Vergrößerungen und Okularwechseln lästig und lenkt von der Beobachtung ab.
Abhilfe kann hier durch eine Equatorial- Plattform geschaffen werden.
Das Funktionsprinzip einer solchen EQ- Plattform hat Reiner Vogel hier sehr schön erklärt.
Die fertige Plattform vor der Rockerbox des 16- Zoll Dobsons.
Nachdem die Basis der Rockerbox entfernt worden ist kann diese einfach auf das Oberteil der Plattform aufgesetzt werden. Zentriert wird sie über die drei Rollen, das sind Lagerbuchsen aus Bronze die drehbar auf der Fläche befestigt sind.
Daneben ist jeweils ein Segment aus 2mm starkem Teflon mit Teppichklebeband aufgeklebt (das hält erstaunlich gut).
Ich habe mich für die Bauform mit senkrecht stehenden Nordsegmenten entschieden, wie sie z.B. auch kommerziell von Tom Osypowsky angeboten werden.
Vorteile dieser Bauform sind die senkrechte Lasteinleitung in die Rollen und ein etwas kompakterer Aufbau.
Nachteilig ist der erhöhte Aufwand, der zur Herstellung der Nordsegmente betrieben werden muß.
Da die Segmente während eines Schwenks der Plattform sowohl eine Abroll- als auch eine Schiebebewegung ausführen, ist die entstehende Kurve kein Kreisabschnitt.
Am einfachsten läßt sich diese Kurve herstellen, indem man die komplette obere Platte mitsamt aller Segmente so montiert, das sie beim Fräsen um eine Achse schwenkt, die dort ist wo später die Parallele zur Erdachse liegt:
Dazu habe ich solch eine Vorrichtung gebaut.
Das Alurohr ist dort, wo später die Achse ist, um die geschwenkt wird.
Die Schiene der Linearführung ist so montiert, das sie mit dem Alurohr einen Winkel von 50° einschließt.
Der Führungswagen kann entlang der Schiene verschoben werden und wird in der jeweils erforderlichen Höhe geklemmt. Damit kann man die Oberfräse für alle drei unterschiedlichen Kurven in der jeweils erforderlichen Höhe positioniert werden.
Die Oberfräse ist am Oberschlitten meiner Drehbank befestigt, dieser kann auf der Aluplatte gedreht und für alle drei Kurven fein zugestellt werden.
Bedingt durch die kombinierte Abroll- Schiebebewegung müssen die Rollen breiter sein als handelübliche Kugellager:
Diese hier sind aus 30mm VA- Rohr gedreht und haben je zwei Kugellager.
Die untere Platte mit Nord- Rollen, Antrieb samt Verschiebeeinheit und Südlager.
Die Kreuzlibelle ist beim Aufstellen eine große Hilfe und deshalb fest montiert.
Der Antrieb erfolgt durch ein Getriebe, das aus einem Planetengetriebe mit i = 1:20,25 (Ebay), einem Getriebemotor von Conrad mit i = 1:380 und einem Schneckenradsatz (ebenfalls Conrad) i = 1:40 besteht.
Auf der Abtriebswelle des Planetengetriebes sitzt ein 40zähniges Zahnrad Modul1, das sein Drehmoment auf das verzahnte Segment (Teilkreisdurchmesser ca. 800mm) an der Unterseite der Schwenkplatte überträgt.
Dieses Segment besteht aus einer Zahnstange Modul1 (Conrad) und ist auf dem gefrästen Bogensegment verklebt, die Schrauben waren nur zum fixieren bis der Kleber trocken ist.
Um die Plattform nach dem Ende eines Schwenks wieder in die Ausgangsstellung bringen zu können, kann man das gesamte Getriebe in einer Führung aus Profilen, Teflon und EbonyStar (alles Reste vorangegangener Projekte) ein wenig nach vorne schieben, soweit das das Zahnrad frei wird:
Dazu schiebt man einfach den Hebel nach vorn, der ist auch bei aufgesetztem Oberteil gut zugänglich.
Läßt man ihn los, zieht die Feder das Zahnrad wieder in Eingriff
Der Gleichstrommotor wird mit einem einfachen Drehzahlsteller angesteuert, bei visueller Beobachtung reicht dies völlig aus um das Objekt über mehrere Minuten in der Mitte des Feldes zu halten.
Etwas störend hat sich anfangs das Getriebespiel des Planetengetriebes bemerkbar gemacht. Darum habe ich ein zweites Zahnrad montiert.
Dieses hat in der Nabe einen Klemmrollenfreilauf und läßt sich dadurch nur noch in eine Richtung drehen. Das reduziert das Getriebespiel deutlich.
Das Teleskop auf der Plattform.
Die Bauhöhe der Plattform beträgt 130mm (incl. 21mm dicker Füße). Damit steht das Teleskop nun 65mm höher als auf der Standartbasis.
Das Beobachten mit Plattform ist sehr angenehm, man kann sich in aller Ruhe auf die Details des Objekts konzentrieren. Beim Okularwechsel bleibt das Objekt auch bei einem Wechsel auf höhere Vergrößerungen im Feld und man muß nicht erst wieder suchen.
Auch Webcamfotografie ist damit möglich:
Saturn am 15.04.05 mit Webcam + 2fach Barlow, Summenbild aus ca. 120 Aufnahmen addiert mit Registax.
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